Beschreibung
An Bernhard Scholz (1835-1916): „[…] Wir sind seit geraumer Zeit in solcher Theaternoth, daß fast jede angesetzte Vorstellungabgesagt werden muß; unter den Sängern ist eine Viehseuche ausgebrochen. – Niemand weiß, was der morgende Tag bringt. [Ferdinand] Hiller ist seit 8 Tagen hier, um seinen Deserteur zu hören, reist morgen wieder ab, weil die Vorstellung auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Überall Elend, Verstimmung – es möchte kein Hund so länger leben. Ich lag immer auf der Lauer, eine passende Stunde für Ihr Conzert zu erwischen und Sie herbeizutelegraphiren, aber umsonst. Auch für die nächsten Tage sehe ich keine Hoffnung. Das Orchester ist übermäßig angestrengt, ich habe bisher nicht einmal eine Probe für unser Concert in Baden am nächsten Dienstag herausbringen können und werde mit nur zweien Vorlieb nehmen müssen. Wie lange bleiben Sie nun noch in der Nähe? Sind Sie bereit, auf ein Telegramm sofort zu kommen? Ich hätte längst geschrieben, wenn die Theater-Misère nicht das Vorausbestimmen eines Tages unmöglich gemacht hätte. Wenn nur wenigstens der Deserteur losgeschossen wäre! Hiller ist ganz desperat […]“ – In Karlsruhe wütete die Rinderpest. Gemeint ist Hillers Oper „Der Deserteur“ (Op.120; 1865), die am 17. Februar in Köln uraufgeführt worden war. Auf seiner Herbstreise nach Karlsruhe und Baden-Baden hatte Hiller neben der Sängerin Viardot-Garcia und Clara Schumann und Brahms getroffen und mit ihnen musiziert.








