Hahnemann, Samuel, Arzt, Begründer der Homöopathie (1755-1843).

15.000,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift „S. Hahnemann“. Köthen, 7. X. 1834, Kl.-8° (12,5 x 9,5 cm). 3 Seiten. Doppelblatt.

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Beschreibung

Bedeutender Brief an einen Freund und Kollegen in Paris, vielleicht Heines Arzt David Didier Roth (1808-1885), über die Verbreitung der Homöopathie in Frankreich und mit zwei Therapieplänen, die sogar den Beischlaf reglementieren: „[…] Durch Ihre gütige Besorgung der Rimesse für Dr. Lehmann (der sich Ihnen bestens empfiehlt) haben Sie zugleich mir eine Gefälligkeit erwiesen, wofür ich Ihnen danke, so wie für Übersendung des ersten Stücks der archives [de la médecine homoeopathique; Paris 1834 ff.], worin ich Ihren Fleiß, sowie den Ihrer Mitarbeiter ersehe, so wie mir überhaupt der Pariser homöopathischer Eifer viel Vergnügen macht. Vor Allem haben Sie auch schon darin einen großen Vorzug vor Ihren Kollegen, daß sie beider Sprachen so mächtig sind. Es sollte mich wundern, wenn Dr. [Antoine-Jacques-Louis] Jourdan es so weit im Deutschen gebracht hätte! Grüßen Sie den fleißigen Ehrenmann bestens von mir. Er ist für Frankreich der Haupt-Geburtshelfer, um unsere Kunst dort zu Tage zu fördern. Ach daß er dereinst durch sorgfältige Anwendung derselben bei Kranken einen würdigen Lohn empfänge. Übersetzen ist nöthig und schön, aber Heilen noch unendlich genugthuender. So bitte ich auch Herrn Dr. [Antoine Henri] Petroz, Gueyrand und Blanc ihre Grüße reichlich von mir wieder zu erstatten. Nun die Kunst in so viele Köpfe gelangt, ist es kein Wunder, daß eine geistige Gährung erfolgt, und es war nicht zu wundern, dass der uralte Sauerteig der Arznei-Gemische wieder in dem einen oder dem andern Kopfe wieder spukte. Aber die große Gährung dauert nicht zu lange; sie wirft nach und nach alle unhaltbare Unreinigkeiten aus und endlich wird es zur lautern reinen Flüssigkeit. Jene Thorheiten stecken nur schwache, ohnehin zur Homöopathik untaugliche Köpfe an, verständige nicht. Nun zu ihrem neuesten Briefe. Die Umstände des Hrn Obrist Sliwitsky haben es vermuthlich nicht verstattet, zu mir her zu reisen und ich lege Ihnen daher etwas zu seiner Erleichterung hier bei, unter der Bedingung, dass er alle andre Mittel (auch die Bleimittel) beim Gebrauche der meinigen weglasse, auch alle äußern Mittel; kann er sich noch einige Bewegung machen, so soll er oft ein wenig langsam spazieren gehn. Kaffee, Tee, Gewürz und Saures muß er meiden. Er soll alle 14 Tage eins dieser Pülverchen in eine Mischung von sieben Eßlöffel Wasser mit einem Theelöffel Rum thun, und es wohl umrühren bis sich das Pülverchen aufgelöset hat. Hiervon nimmt er jeden Abend einen Eßlöffel voll ein, doch so daß er vor dem jedesmaligen Einnehmen die Flüssigkeit von Neuem wohl umrühre. Sehr ähnlich soll Hr Baron de Lyon seine 4 Pülverchen einnehmen, nämlich alle 14 Tage ein Pülverchen, was er aber – jedes – in eine Mischung von 14 Eßlöffeln Wasser mit 1/2 Löffel Rum gehörig umrührt, bis das jedesmalige Pülverchen vollkommen aufgelöset ist. Dann nimmt er den ersten Abend einen Löffel davon ein und so jeden der übrigen 13 Tage (Abende), doch ebenfalls nur, nachdem er die noch übrige Flüssigkeit vorher jedes Mal von neuem wohl wieder umgerührt hat. Leztrer soll jede Minute nützen um, wenn er kann, in freier Luft spaziren zu gehen, soll Kaffee, Thee, Säure von Essig und Zitronensaft, sowie möglichst alle Gewürze meiden. Den Beischlaf kann er nicht ganz entbehren, wenn er ihm auch noch Anfangs einige Beschwerden verursachte – also ein oder zweimal die Woche. Zwei Wochen nach Einnahme des vierten Pulvers erwarte ich Nachricht von beiden durch Ihre Güte […]“ – In Frankreich fand die Homöopathie besonderen Anklang, weshalb Hahnemann 1835 seine Praxis von Köthen nach Paris verlegte. – Sehr selten, besonders mit so wichtigem Inhalt.