Wöhler, Friedrich, Chemiker (1800-1882).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Göttingen, 29. XII. 1845, Gr.-4°. 2 Seiten. Doppelblatt mit Adresse und Poststempel.

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Beschreibung

Prachtvoller Brief an den Chemiker und Physiker Rudolf Christian Boettger (1806-1881) in Frankfurt am Main: „“Hochgeehrter Freund und College, Ich sage Ihnen meinen verbindlichsten Dank für die freundliche Mittheilung Ihrer höchst interessanten Beobachtungen, wovon ich heute Nr. 2 erhielt und die ich beide sowohl Gauss als [Friedrich] Hausmann (letzterer Secretär unserer Societät [der Akademie der Wissenschaften]) mitgetheilt habe. Ich würde sie in aller Form der Societät selbst vorgelegt haben, wenn nicht an demselben Tag, las ich Ihr erstes Blatt erhielt, hier die Frankfurter Zeitung eingetroffen wäre, in der dasselbe bereits gedruckt zu lesen war. Auf diesen Umstand machte mich Gauss, der Alles liest und weiß, aufmerksam, als ich ihn zufällig traf und ihm von Ihrer Beobachtung sagte. Sie werden selbst einsehen, daß es dann nur eine leere Form gewesen wäre, Ihre Notiz noch der Societät vorzulegen, zumal sie mit denselben Worten in der Zeitung stand. Ich unterließ es um so mehr, da die übrigen Mitglieder von dem Gegenstand auch nicht den geringsten Begriff haben. [Johann Benedict] Listing und [August Friedrich Karl] Himly, die einzigen hier, die außer Gauss und Hausmann sich dafür intereßiren könnten, sind bis jetzt nicht Mitglieder der Societät, diesen werde ich Ihre Notiz Morgen zuschicken und ich hoffe, daß sie den Versuch werden nachmachen, so daß auch ich Gelegenheit haben werde, diese merkwürdige Erscheinung zu sehen. – Ich bedaure es sehr, daß die Sache in der Zeitung publicirt worden ist. Ohne dieß würde ich Ihre Notiz der Societät vorgelegt haben und sie würde dann in unseren Anzeigen abgedruckt worden sein, und ich hätte dann eine bestimmte Veranlassung gehabt, Sie zum Correspondenten unserer Societät vorzuschlagen, wenn anders Sie auf diese Ehre Werth legen. Ich habe schon längst daran gedacht, aber in neuerer Zeit ist dieß nicht wohl möglich gewesen, da unser sonst so vortrefflicher und achtungswerther Landsmann Hermann, in Bezug auf die Wahl neuer auswärtiger Mitglieder und Correspondenten der Societät, einen kleinen Streit veranlasst hat, der sich erst wieder sedimentirt haben und vergessen worden sein muß, bevor man es wagen kann, Jemand in Vorschlag zu bringen. So wie der rechte Zeitpunkt da ist, sind sie und Dumas die ersten, die ich vorschlagen werde […] Grüßen sie freundlichst Doktor [Christian Ernst] Neeff von mir und sagen ihm, daß ich es bedauere, ihn nicht getroffen zu haben, als ich mich bei meiner neulichen Anwesenheit in Frankfurt bei ihm verabschieden wollte. Auch Doktor Buch bitte herzlich zu grüßen. Ich bin in Begrif an R[udolf] Wagner, unseren Physiologen zu schreiben, der seiner Gesundheit wegen diesen Winter in Pisa zubringt. Ich werde ihm Ihre Notiz für [Carlo] Mateucci, dessen Bekanntschaft er gemacht hat, zuschicken.“ – Die erwähnte Notiz las Gauss in der „Frankfurter Oberpostamts-Zeitung“, Dienstag, 23. Dezember 1845, Beilage zu Nro. 353, S. 3488f.: „Die höchst wichtige Entdeckung des genialen englischen Naturforschers Faraday, zufolge der die Polarisationsebene eines mit dem Laufe eines elektromagnetischen Stromes zusammenfallenden […] Lichtstrahls […] bald links, bald rechts gedreht werden könne […]“ etc. Boettger schlägt vor, das von Faraday verwendete Glas beim Nachbauen des Experiments durch verschiedene Flüssigkeiten zu ersetzen. – Boettger war einer der genialsten Erfinder aller Zeiten. Er entwickelte die Galvanoplastik weiter und fand die Schießbaumwolle (Cellulosenitrat), das Kollodium und das Sicherheitszündholz sowie zahlreiche andere praktische Anwendungen. – Gut erhalten.