Carl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818-1901).

800,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift (Paraphe). Schloß Wilhelmsthal bei Eisenach, 13. VIII. 1856, 8° (18 x 11,5 cm). 12 Seiten auf 3 Doppelblättern mit blindgepr. Monogramm. Grau getöntes Papier.

Vorrätig

Beschreibung

Außerordentlich langer und persönlicher Brief an seinen Freund Leo Graf Henckel von Donnersmarck (1829-1895; Goethes Vetter): „Als ich mit dem Erzherzog Stephan, der seit einigen Tagen hierher gekommen ist, heute nach Eisenach fuhr um ihm den Eichelschen Garten zu zeigen, erhielt ich, unterwegs Deinen Brief am 8ten begonnen, mein lieber Leo […] Er hat mir einen wehmüthigen, einen schmerzlichen Eindruck gemacht, denn er trägt überall das Gepräge unendlichen Leidens. Daß ein so verstimmter Körper denn auch nicht ohne Einfluß auf die Seele bleiben kann, ist ganz natürlich […]“ Es folgen ausführliche Hinweise und Ermahnungen zu Kuren in Teplitz und Karlsbad mit Fichtennadelbädern und Molkenkur. Sodann über seine Frau Sophie und seine Mutter Maria Pawlowna in Russland sowie die Schönheiten Wilhemstals. Weiter ausführlich über seine eigene persönliche Entwicklung: „Die Ursache, die Gastfreundschaft ist eine unmittelbare Folge jener Humanität, welche Dir an meinem Hofe rühmst und mit Dank zwar, nicht aber mit Verwunderung, nehme ich diese Wahrheit hin, wohl aber mit einem kleinen Gefühl von Stolz, denn sie, diese Humanität, ist allerdings vorhanden, und sie muß es, denn sie ist ein wohlgepflegtes Erbtheil der Sitte meines Hauses von Alters her. Um das ganze Erbtheil aber theils zu wahren, theils zu mehren, fühle ich mich immer noch angetrieben soviel wie möglich in mir zu leben um ganz und vollständig mein eigner Herr zu werden, mich also vollständig zu beherrschen und in mir vollständiges Gleichgewicht zu erlangen […] Soll ich noch spezieller werden, so kann ich versichern, daß ich fühle, wie Gottlob, ich durch Seine Hülfe, diesen Sommer vorwärts gekommen bin, ich fühle mich ruhiger, abgewogener, zu meiner Pflicht gestärkter, mir Selbst angehörender, doch tief im Herzen verberg ich dies Alles, denn es giebt Gefühle, die geheim sind wie das Gebet. Was ich nun demnächst über das Zerpflücken der Zeit denke und wie ich handle, magst Du Dir selbst aus den Bekenntnissen entnehmen die ich jetzt abgelegt […]“