Goethe-Kreis – Preller, Friedrich, der Ältere, Maler (1804-1878).

250,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Ilmenau, 12. VIII. 1873, 8° (22 x 14 cm). 4 Seiten. Doppelblatt.

Vorrätig

Beschreibung

An einen Freund: „[…] Nach Jahr u. Tag unsers Wiedersehens sitze ich abermals in dem alten frischlustigen Neste Ilmenaus u. zehre bei höchst mittelmässiger Kost, an den Erinnerungen einer etwas lange vergangener Zeit, denn noch kann ich nichts aufzählen, was an die Stelle, od. auch nur an die Seite Ihres eben so unerwarteten als lieben, mir immer unvergesslichen Besuches zu setzen, wert wäre […] Eviva Roma, Napoli! – Karlsbad habe ich für dies Jahr allerdings hinter mir, über mein eigenes Befinden auch nicht die geringste Klage, doch ist der Aufenthalt dort meiner guten Frau schlecht bekommen, u. unser langer diesjähriger Aufenthalt hier gilt ausschliesslich ihrer Pflege, die uns noch eine zeitlang halten wird […] Jetzt zur Beantwortung Ihrer Fragen […] Ich halte diese durchaus nicht für ein Nichts, glaube aber nicht, dass sie beim Rubens von einer Entscheidung gewesen ist. Bei diesem grossen Genie ist die Form, wie bei allen Niederländern […] erst eine zweite Frage gewesen. Vor allem andern ist ihnen ein Farbensinn angeboren, u. dieser ist neben allen zur Kunst gehörigen Eigenschaften hervorragend, obgleich ich beim Rubens seinen reichen schöpferischen Geist u. die Darstellungsgabe als höchste Begabung verehre u. bewundere. In ihm sehe ich die Spitze der niederländischen Kunst. – Den Italienern steht die Form u. Schönheit am höchsten, Deutlichkeit u. Ausdruck in der Composition lassen selten noch einen Wunsch aufkommen, die Farbe ist immer in beiden Theilen No.2. Die Venezianer nun, haben beides, doch haben sie das nicht erreicht, was wir in Michelangelo u. Raffael als unübertrefflich nennen u. bewundern. Sie gelten seit Jahrhunderten als die grössten Künstler u. wenn ein Dritter genannt werden kann, so ist es Leonardo da Vinci. Dies mein Glaubensbekenntnis […]“ – Preller erhielt im Jahr 1844 einen Lehrauftrag an der Fürstlichen freien Zeichenschule in Weimar und wurde zum Professor und Hofmaler ernannt. – Kleiner Durchbruch in Blatt 2.