Schmidt-Rottluff, Karl, Maler (1884-1976).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Berlin, 19. II. 1948, Kl.-4°. 4 Seiten. Doppelblatt. Bleistift. Mit grossem grafisch gestalteten Absenderstempel.

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Beschreibung

Ausführlicher Brief über die karge Situation des öffentlichen Kunstlebens in der Nachkriegszeit und in der Sowjetischen Zone, an den Direktor der Kunstsammlungen Chemnitz, Friedrich Schreiber-Weigand (1879-1953): „[…] Ich nehme an Ihren Kümmernissen u. Sorgen lebhaften Anteil – dass die Kunstlust endültig begraben ist, tut mir sehr leid – wäre immer eine lebhafte Museumstätigkeit u. Ausstellungsförderung da, könnte man es eher überwinden u. eben glauben, dass die bisherige Privatinitiative auf andre übergegangen ist – aber so muss man ein rechtes Absinken der so grossartig anfangs herausgestellten Kulturinteressen befürchten. Auch in Berlin fängt die Lethargie an sich bemerkbar zu machen – es wird zwar immer mal einiges inszeniert, aber man hat wohl die nicht ganz ehrlichen Töne herausgehört. – Der Deutsche Künstlerbund kommt auch nicht von der Stelle, 4 Kommandanturen mußten ihn lizensieren u. da selten Einigkeit herrscht, ist nicht viel Aussicht. Inzw. waren Münchner Herren da – reine Friedensware! – u. mit bayrischem Unternehmungsmut wollen die nun die Neugründung von M. aus betreiben. Das würde dort ja keine Schwierigkeiten machen, da dort der Magistrat die Lizenz erteilen darf. Finanzierungsfrage ist auch grosszügig gelöst – damit gelangt der DKB in Münchner Hände u. wird natürl. nicht das, was er einmal war. Was die Münchner in ihrer bayrischen Gemütlichkeit alles anbringen werden, davon kann einen schon sehr schaudern. Aber z. Zt. muss diese Lösung hingenommen werden. – Das Aq[uarell] war hier wieder eingetroffen – vielen Dank – Karl Otto schickte mir auch sein recht dürftig ausgefallenes Büchel – ich hätte ihm gern eine bessere Ausstattung gegönnt. – Was es mit den 48er Feiern auf sich hat ist mir nicht ganz klar. Ich glaube mich noch dunkel zu erinnern, das Jahr 1848 sei eigentlich eine rechte Pleite gewesen – u. dass man Pleiten feiert, kapiere ich nicht ganz. Freilich, Stalingrad wurde auch gefeiert, sodass viele nicht wussten, war es nun eigentlich ein Plus od. ein Minus. K[arl] Kröner war gestern hier […] Dass die kulturelle Situation auch in Berlin auf Absinken schliessen lässt, konnte ich ihm etwas andeuten – er hat ja anderen Orts auch bereits seine Beobachtungen gemacht – lässt sich aber nicht leicht unterkriegen. – Ihre Anfrage nach einer Plakette od. Büste war schätze ich gut gemeint – man sollte es wohl doch im Auge behalten […] Ich bin neugierig wies morgen in der Schule [Hochschule der bildenden Künste] aussieht – die Kohlenfrage ist da noch unverändert fatal […]“ Karl Kröner brachte 1948 eine Monographie über den Maler heraus. – Gut erhalten.